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EU AI Act & Compliance3. Juli 20267 Min LesezeitAktualisiert: 24. Juli 2026

EU AI Act 2026: Welche Pflichten jetzt wirklich gelten

Um keine KI-Verordnung ranken sich mehr Mythen als um den EU AI Act. Hier ist der ehrliche Stand: was scharf ist, was kommt — und was Panikmache ist.

Die Kurzfassung
  • Seit dem 2. Februar 2025 scharf: das Verbot bestimmter KI-Praktiken (Art. 5) und die KI-Kompetenzpflicht (Art. 4). Letztere trifft jedes Unternehmen, in dem KI genutzt wird. Auch „nur ChatGPT", ohne Größengrenze.
  • Ab dem 2. August 2026 greift die Durchsetzung in der Breite: nationale Aufsicht, Sanktionsregeln.
  • Die Hochrisiko-Pflichten (Annex III, z. B. KI in HR und Kreditvergabe) sollen auf den 2. Dezember 2027 verschoben werden.

Die drei Termine, die Du Dir merken musst

02/2025
Art. 4 (Kompetenzpflicht) und Art. 5 (Verbote) gelten
08/2026
Durchsetzung in der Breite — die Aufsicht wird aktiv
12/2027
Hochrisiko-Pflichten nach Annex III (geplant, Digital Omnibus)

Aus „gilt schon, wird aber kaum kontrolliert" wird ab August 2026: „gilt und wird durchgesetzt."

Art. 4: Was heißt KI-Kompetenz konkret?

Art. 4 verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, „nach besten Kräften" sicherzustellen, dass ihr Personal über ausreichende KI-Kompetenz verfügt — abgestimmt auf Vorwissen, Kontext und Einsatzzweck.

Praktisch heißt das: Wer KI im Unternehmen einsetzt, braucht nachweisbare Schulung. Es gibt keine Bagatellgrenze. Die Pflicht gilt für den Zwei-Personen-Betrieb genauso wie für den Konzern. Ein dokumentiertes Schulungskonzept mit anerkanntem Nachweis (z. B. IHK-Zertifikat) ist der sauberste Weg, die Pflicht zu erfüllen und das im Zweifel auch zu belegen.

Die ehrliche Einordnung zu den Bußgeldern

Für Art. 4 selbst sieht der AI Act kein eigenes EU-Bußgeld vor — hier sanktionieren die Mitgliedstaaten nach nationalem Recht. Der oft zitierte Rahmen von 35 Mio. € oder 7 % des Weltjahresumsatzes gilt ausschließlich für die verbotenen Praktiken nach Art. 5 (Art. 99 Abs. 3). Schulung bleibt Pflicht, aber aus Sorgfalt — nicht aus Angst vor Höchststrafen. Wer Dir mit „35 Millionen für fehlende Schulung" Angst macht, hat die Verordnung nicht gelesen.

Art. 5: Was ist seit Februar 2025 verboten?

Unter anderem: Social Scoring, die gezielte Ausnutzung von Schutzbedürftigkeit, Emotionserkennung am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen sowie ungezieltes Auslesen von Gesichtsbildern. Hier liegt der höchste Bußgeldrahmen der Verordnung: bis zu 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes.

Für die meisten Unternehmen ist die praktische Konsequenz eine Prüfpflicht: Weißt Du, ob eines Deiner eingesetzten Tools in diese Kategorien fällt?

August 2025 und August 2026: Was sich ändert

Seit dem 2. August 2025 gelten Pflichten für Anbieter von General-Purpose-AI-Modellen (GPAI, also Basismodellen wie GPT oder Claude): Transparenz, technische Dokumentation, Urheberrechts-Policy. Wer solche Modelle nur nutzt, bekommt daraus keine eigenen Anbieterpflichten. Relevant bleibt Art. 4.

Der 2. August 2026 ist der Termin für die Geschäftsführung: Ab dann sind die nationalen Aufsichtsstrukturen und Sanktionsregeln in der Breite anwendbar.

Hochrisiko: Zeit gewonnen, kein Freifahrtschein

Die strengen Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Annex III — etwa KI in Personalauswahl, Kreditwürdigkeitsprüfung oder kritischer Infrastruktur — wurden mit dem Digital-Omnibus-Paket auf den 2. Dezember 2027 verschoben (politisch geeinigt im Rat am 13. Mai 2026, formale Verabschiedung steht Stand Juli 2026 noch aus). Wer KI in HR-Prozessen einsetzt, hat Zeit gewonnen. Die Übergangszeit ist genau dafür da, Risikomanagement, Datenqualität und menschliche Aufsicht aufzubauen.

Deine 5 Schritte — diese Woche machbar
  1. Bestandsaufnahme: Welche KI-Tools sind im Einsatz — offiziell und inoffiziell?
  2. Schulung nachweisbar machen: Art.-4-Pflicht mit dokumentiertem Konzept erfüllen.
  3. Verbots-Check: Eingesetzte Tools gegen die Art.-5-Kategorien prüfen.
  4. Hochrisiko-Radar: HR- und Scoring-Anwendungen für 2027 vormerken.
  5. Standort bestimmen: Der KI-Reife-Check enthält einen EU-AI-Act-Status und zeigt, wo Ihr im Branchenvergleich steht.

Quellen: Verordnung (EU) 2024/1689 (EU AI Act), EUR-Lex; Europäische Kommission: AI Act — Anwendungszeitplan; Digital-Omnibus-Paket der EU-Kommission (Verschiebung Annex III auf 02.12.2027).

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung, keine Rechtsberatung.


Niklas Greczak
KI Business School · Synnous Consulting, Düsseldorf · LinkedIn
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